#dmexco 2011 in Köln

Die dmexco 2012 wird am 12. und 13. September stattfinden. Keine große Verkündung für die Kölner Messegesellschaft angesichts voller Hallen der diesjährigen “digital marketing exposition & conference”. Selbstbewusst nennt sie sich “die internationale Leitmesse und Kongress für die digitale Wirtschaft” und liefert gleich die Zahlen mit: 440 Aussteller, 300 Redner mit 120 Stunden Konferenzprogramm und 19.300 Fachbesucher bei der dmexco 2011. Doch Quantität ist nicht gleich Qualität und eine heilige Kuh gibt keinen besseren Output als ein Arbeitstier, um den Messemetaphersprech aufzugreifen. Es werde nämlich Zeit, so eine der Keynotes, sich jetzt die Frage zu stellen: “Bringt das was?”. Eine Frage, die man sich zwar im Onlinemarketing hoffentlich schon früher gestellt hat, aber dann wohl gleich recht für ein Offlinemarketing-Event wie eine Messe gilt.

Trivial – das Offline Messemultiplayer-Strategiespiel

Eine Messe ist ansich schon mal eine wirtschaftliche Veranstaltung. Hier potenzierte sich die Vergiftungsgefahr durch Anzugträger auch noch durch die Ausrichtung als Mekka der Netz-Ökonomisierer. Man sollte sich also bewusst sein, auf Leute zu treffen, die vornehmlich Geld verdienen wollen. Ein Besucher twitterte jedoch bereits am Vormittag des ersten Tages sinngemäß: wer erwartet, nach der dmexco zu wissen, wie man seriös im Netz sein Geld verdient, wird enttäuscht sein. Ist diese Enttäuschung (hoho, Wortspiel:) eingepreist, gehts lockerer – spielerisch an die Sache heran.

Renner der Messe war die Vorstellung von Trivial. Es überzeugt durch eine einfache Menüführung: suche dir ein Gesprächsziel und versuche ohne Ablenkungen dahin zu gelangen. Jedoch stellen sich dir in den Gängen die üblichen Wesen entgegen. Sie locken mit Gewinnspielen, Give-Aways und natürlich einem Lächeln zur Frage: “Möchten Sie ein iPad gewinnen?” Eine Vielzahl der dmexco-Besucher dürfte wohl an einem iPad-Gewinnspieltrauma leiden. Man merkt, dass die Aussteller aus dem Onlinebereich kommen und offline eher auf, sagen wir mal, bewährte Volksfestkonzepte setzen. Daran ändern auch die -oho so mysteriösen- Der-Klick-ist-tot-Klebezettel nix. Je größer und schöner der Stand, desto besser. Inhalte? Natürlich kommen auch wir nicht umhin mitzuspielen und den kreativsten Stand der Messe zu küren. Je einen Red Bull (mit oder ohne Zucker) gewonnen haben madvertise und tape.tv:

Hat man die mit Bällen, Glückskeksen, Energydrinks und Wasser um sich werfenden Wesen passiert, kann man unter Umständen aufschlussreiche Gespräche führen, wenn man denn ein breitgefasstes Interesse hat, wie t3n schreibt. Enttäuschend waren die Stände der Bigplayer: Amazon, Facebook, Yahoo, etc.  langweilten. Gerade Facebook, das sich beim Hack in Berlin offen und kompetent zeigte, wirkte blass wie ein Schluck Wasser aus den von Burda verteilten QR-Code-Flaschen. Stichwort: QR-Code! Kekse mit den Codes sind nicht (mehr?) kreativ. Danke. Google hingegen hatte ein ansprechendes Programm und (man) konnte viele +1 sammeln. Interessanter waren da schon die eher versteckten Stände am Rande, auch wenn einige (wie etwa MeineStadt.de) auf offensichtliche Fragen zwar lächelnd ausweichen, aber keine kompetenten Antworten bieten konnten. Man kennt das Thema mit dem die MeineStadt-Macher die Blogger “belästigen” von Björn Harste.

Hilfreich bei der Orientierung im Hallentrivial war die gelungene dmexco-App. Unverständlich jedoch auch wieder, dass die Besucher der Visitenkarte den Vorzug ließen, obwohl in der App extra ein Tab zum Kontaktdaten austauschen integriert war. Eine Visitenkartenparty bei einer digitalen Messe ist schon merkwürdig, was einigen Rückschluss auf die Businesskasper aka Besucher ziehen lässt, was wohl an anderer Stelle ausreichend getan wurde.

Seminar-Tetris

Speaker's Corner

Das Konferenzprogramm der dmexco sah umfangreich und in der Onlineversion unübersichtlich aus, sodass eine Sessionplanung eher schwierig war. Besser nutzbar war hierzu die App. Eine genaue Planung bot sich allein deshalb an, da viele der Räume hoffnungslos überfüllt waren und die Türen natürlich geschlossen wurden, sodass man nicht mal etwas hören konnte. Waren viele der Räume zu klein, war die Akustik im Speaker’s Corner mangelhaft. Hatte man sich dann doch auf einen der Plätze einsortiert, konnte man durchwachsene Vorträge hören.

Google vs facebook

Interessant, wenn auch nicht revolutionär, war z.B. der Google-Facebook Wettstreit mit Marketing-O-Meter. Jan Borgwardt und Stefan Oßwald von LBi Germany tauschten Argumente über Reichweite und (Vorsicht Buzzword im Anflug!) “Targeting” aus, was anhand eines Balkens, der nach rechts und links ausschlug, verbildlicht wurde. Was sich angesichts eines interessanten Gegenrede-Settings ganz interessant anging, verlor angesichts fehlender Verve der Redner schnell an Fahrt und endete im Fazit in “sie brauchen sich gegenseitig”.

Dann gab es natürlich noch diese Vorträge, bei denen man sich angesichts des Arbeitgebers des Redners leicht Färbung und Fazit ausrechnen konnte. In diese Kategorie gehörte etwa auch der Vortrag “Fanpage statt Domain: Welche Gefahren Facebook, Google, Twitter und Apple für Unternehmen bergen” von Tim Schumacher von Sedo, wenn er sich auch durch inhaltliche Substanz von vielen anderen deutlich absetzte. Seine Sicht gegen eine zu starke Fokussierung auf Facebook/Twitter – kurz von Plattformbetreibern – ist natürlich dadurch entstanden, dass er selbst Betreiber des führenden Domainhandelsplatzes ist. Aber er rechtfertigt jene Sicht mit dem psychologischen Argument, dass die stärkere Marke, in dem Fall Facebook, immer die größere Wirkung bei der Bewerbung der eigenen Fanpage hat: es bleibt also nicht der Pagename hinter dem Slash hängen, sondern das facebook.com vorher. Man solle immer die offenen Systeme präferieren, den Content unter eigener Kontrolle halten, da ein Ausschluss aus der Plattform jederzeit möglich ist, die Standards sich ändern und die Betreiber gewinnorientiert sind.

Fazit

Alles in allem eine gelungene Veranstaltung, wenn man den beiden oben genannten Messemenschentypen BWL-Kasper und Give-Away-Fee aus dem Weg geht. Selten kann man so geballt ein so umfangreiches Spektrum an Fragestellungen diskutieren und neue Ideen sammeln. Verbesserungswürdig ist das Niveau der Konferenz. Denn letztlich blieb die wichtigste Frage unbeantwortet: hat denn nun irgendjemand auf der dmexco ein iPad gewonnen oder das Galaxy-Tab aus seinem Tresor befreit? Anyone?

 

Videos von der dmexco gibt’s hier http://www.youtube.com/user/dmexcovideo

Neben dem oben verlinkten Artikel von Netzpolitik “Die dmexco überleben: Survival in der Einöde des Digital Marketing”, hier noch andere Meinungen:

2 Kommentare

  1. Sean Kollak says:

    Hallo Mandy und Sascha,
    ein lesenwerter Artikel und danke für den Link auf meinen Dmexco-Bericht. Ich fände es gut, wenn ihr eure Artikel unter euren Namen statt dem gesichtslosen “Admin” veröffentlichen würdet. Dann weiß man, von wem es kommt und wem man zu danken hat. So muss ich erst nach dem Impressum suchen.
    Gruß Sean

  2. Sascha Blank says:

    Super Artikel. Das mit den Gewinnspielen war wirklich nervig und sehr unkreativ. Aber in den Boxen landeten trotzdem Massenweise Visitenkarten. Ist auch gar nicht meins gewesen. Aber ansonsten sehr gute Messe. tape.tv war auch mein Highlight bei den Ständen. Wirklich sehr stark :-)

    Danke fürs Verlinken von Unserem Beitrag.

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