Medienforum Mittweida 2011

Vorträge, Workshops und Diskussionen – das Medienforum Mittweida ist wohl vor allem bei Studenten der Region beliebt, bietet jedoch auch für Interessierte den ein oder anderen Programmpunkt. Nicht verpassen sollte man z.B. die “Elefantenrunde”, welche dieses Jahr mit dem Thema “Medien als vierte Gewalt” allerdings enttäuschte. Schon allein der Begriff Elefantenrunde wirkt gut gewählt, denn außer der Moderatorin Nina Ruge, waren eher ältere Männer zu Gast. Als da wären: Johannes Beermann (Chef der Sächsischen Staatskanzlei), Robert Kuhne (Redaktionsleiter Bild Ostdeutschland), der mit dem goldenen Prometheus ausgezeichnete Sat.1 Moderator und Nachrichtendirektor Peter Limbourg, Rolf Müller (hessischer Politiker) und WDR-Programmplaner Helfried Spitra.

Die Veranstaltung der Medientage in Mittweida, welche ansich schon vier Wochen später als im vergangenen Jahr stattfanden, startete durch Anreiseprobleme der Moderatorin knapp 60 min. verspätet. Der verspätete Anfang wurde vom Team souverän durch Leere improvisiert, was die Erwartungshaltung ans Thema erhöhte.

Nina Ruge eröffnete noch erwartungsgemäß – so gelten die Medien als vierte Gewalt, da sie “Themen killen, wie das Integrationsthema”, “Persönlichkeiten vernichten, wie Guttenberg”, “die Kanzlerin treiben”, “an den Pranger stellen, wie die Banken” und sich “an den Fotos toter Tyrannen, wie z.B Hussein oder Gaddafi weiden” sowie “Angst schüren, wie bei EHEC und der Atomstromdebatte”, kritische Medienschelte jedoch nicht akzeptieren. Das Eingangsstatement war dann auch schon Höhepunkt der “Elefantenrunde”. Routiniert und unemotional plätscherte die Podiumsdiskussion dahin oder wie Ruge alsbald zusammenfasst: “Alle sind sich einig, alles ist gut”. Einig darüber, dass die Medien keine 4. Gewalt mit Macht sind, sondern nur eine Kontrollfunktion wahrnehmen. Dies komme vor allem aus der kooperativen Arbeitsweise, ob nun bei der Bild-Zeitung oder bei Sat1. Auch bestehe letztlich die Möglichkeit einfach das TV-Gerät auszuschalten bzw. die Zeitung nicht zu lesen. Überhaupt sei der vierte Platz eine undankbare Positionierung im Sport und wenn überhaupt sind die Lobbyisten stärker. Und wenn nicht die Lobbyisten stärker sind, dann zumindest die Twitterer.

Schnell wurde also klar: Exlusive Namen sind nicht Garant für eine gute Podiusmdiskussion, es kommt auf eine explosive Mischung unterschiedlichster Positionen an. Denn so lehrt es die Theorie weiter – Ziel der Diskussion ist es, zu einem Konsenz zu kommen. Insofern kann die Hauptveranstaltung des ersten Tags des Medienforums Mittweida 2011 wohl als großer Erfolg gedeutet werden. Denn eigentlich waren sich die Teilnehmer von “Medien als 4. Gewalt” praktisch schon vor der Podiumseröffnung irgendwie einer Meinung. Diese konzeptionelle Schwäche ist wohl aber nicht ganz dem studentischen Organisationsteam zuzuschreiben, denn selten waren sich Politiker – Privater und Anstaltsverfechter aufgrund ihrer vagen Ahnung so einig.

Denn nachdem das Thema mit der Festlegung, dass die traditionellen Medien die Guten sind, geklärt war, wurde auf dem Gegensatz “seriöser Journalismus vs. böses Internet” herumdiskutiert. Abwertend ist dies gemeint, da in der alten Herrenelefantenrunde das Internet offenbar noch immer als Bedrohung wahrgenommen wird. Ausnahme bildete nur der Bild-Mitarbeiter, welcher stolz seinen Onlinewerbeumsatz einbrachte sowie Peter Limbourg, welcher sich sogar mehr Onlineinfos wünscht: “Man könnte glauben, es ist Anarchie, aber es sortiert sich trotzdem irgendwo ein”. Ingesamt kein Glanzpunkt der Diskussionskultur. Zu toppen wusste die Langweile nur die darauffolgende Runde zur “Zukunft der Werbung”. In jener setzte DDB Tribal-Werbemajor Eric Schoeffler einzig damit Akzente, indem er sein sprudelndes Mineralwasser direkt aus der Flasche trank. Wie trocken.

2 Kommentare

  1. Steffi says:

    Ihre Kritik in Ehren, aber ich finde, dieser Kommentar ist sehr einseitig. Zugegeben, die Diskussion hat nicht die Erwartungen der Zuschauer erfüllt, aber das kann ja nun wirklich nicht die Schuld des studentischen Teams sein. Ebenso die Verspätung von Frau Ruge (Herr Limbourg und Dr. Beermann waren übrigens auch zu spät) war ebenfalls nicht das Verschulden der Studenten, sondern dem Nebel am Münchner Flughafen geschuldet. Da sollten Sie schon fair bleiben. Apropos fair: von zwei Veranstaltungen auf die Qualität des Medienforums insgesamt zu schließen, ist meines Erachtens nach in höchstem Maße unprofessionell.

    PS: Die Herren Beermann und Müller tragen einen Doktortitel und das Medienforum sind nun einmal keine Medientage, da sich wohl niemand aus dem Team mit München messen möchte. Sie sollten besser recherchieren.

  2. Salamandr says:

    Sie sollten den Artikel schon richtig lesen, bevor sie Kritik üben. Wir finden auch, dass die flaue Diskussion nicht Schuld des studentischen Teams ist. Deshalb haben wir ja auch geschrieben: “Diese konzeptionelle Schwäche ist wohl aber nicht ganz dem studentischen Organisationsteam zuzuschreiben…”

    Auch schließen wir nirgends auf die Qualität des gesamten Forums.

    Der kritische Bericht zu den beiden Programmpunkten mag Ihnen angesichts des studentischen Engagements, wozu wahrscheinlich auch Sie beigetragen haben, unfair erscheinen. Jedoch ist die fehlende Überbrückung der langen Wartezeit zu offensichtlich gewesen, sodass er als einzig geäußerter Kritikpunkt an der Organisation nicht verschwiegen werden darf. Zur Überbrückung hätte man eine spontane Diskussion machen können, einen Film zeigen oder mit einem der anwesenden Publikumsvertreter ein Interview führen können. Wenn ich etwas organisiere, muss ich immer darauf vorbereitet sein, dass etwas Unerwartetes passieren kann und entsprechend reagieren – in Ihrem Fall eine Stunde Wartezeit überbrücken. Als zahlende Gäste waren wir sehr enttäuscht, dass hier rein gar nichts passierte, zumal für je 10 Euro Eintritt nicht einmal W-Lan zur Verfügung gestellt wurde und dies ist auf Medienveranstaltungen, auch wenn sie studentisch organisiert sind, heute einfach unerlässlich.

    Uns ist durchaus bewusst, dass die Herren Müller und Beermann einen Doktortitel tragen. Wer sagt, dass dieser erwähnt werden muss? Und wenn wir einmal im Text von Medientagen anstatt Medienforum sprechen, bleibt auch dies uns überlassen. Das Medienforum bestand nunmal aus 2 Medientagen. Wieso Sie einen nicht genannten Doktortitel und eine Vermeidung von Wortwiederholung auf schlechte Recherche zurückführen, ist daher unklar.

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